WAZ. Beim Stadtwerke-Cup der Wittener Handballer gibt sich Regionalligist TuS Bommern keine Blöße. Nur einmal muss der Trainer Klartext reden. Im Halbfinale fällt ein irrer Treffer.
Ihren Bereich für die Trophäen im vereinseigenen Sportzentrum werden sie beim TuS Bommern wahrscheinlich bald erweitern müssen. Die Regionalliga-Handballer des Wittener Clubs taten am Samstag beim Stadtwerke-Cup in der Husemann-Sporthalle ihre sportliche Pflicht, holten sich ohne Punktverlust einmal mehr den Siegerpokal. Dass die Grün-Weißen im Endspiel ausgerechnet auf einen Kreisligisten treffen würden, damit war aber vorab gewiss nicht zu rechnen.
„Weil das heute wirklich ein sehr schmaler Kader war, hatten wir noch mal eine richtig gute Einheit für alle, die dabei waren. Unterm Strich haben wir hier das geleistet, was man von uns auch erwarten konnte“, sagte TuS-Trainer Nils Krefter im Anschluss an die Siegerehrung, zu der auch Wittens Bürgermeister Lars König noch gekommen war, um sich zumindest das Finale anzuschauen.
Gerade mal zwei Feldspieler sowie ein weiterer Torhüter nahmen zum Halbfinale und zum Endspiel auf der Bommeraner Bank Platz - die Urlaubszeit hatte eine tiefe Kerbe in den Viertliga-Kader geschlagen, und das nur eine Woche vor dem Punktspielstart daheim gegen Aufsteiger HB Bad Salzuflen (30. August, 19.30 Uhr). Markus Schmitz kam zu den beiden letzten Partien nach seinem Dienst bei der Feuerwehr sogar noch nach und spielte eine wichtige Rolle im TuS-Aufgebot.
Die Vorrundengruppe hatten die Bommeraner problemlos hinter sich gebracht, holten sich den Gruppensieg durch Erfolge gegen den HSV Herbede II (13:5) und gegen Ausrichter HSG Annen-Rüdinghausen (13:9). Die HSG schnappte sich den zweiten Halbfinalplatz, hatte aber große Mühe gegen die engagiert auftretende Kreisklassen-Sieben aus Herbede (8:7).
In der Parallelgruppe gab es gleich zwei überraschende Resultate. Der Wittener TV besiegte zwar den TuS Bommern II mit 11:8, fing sich dann aber eine 12:14-Niederlage gegen den HSV Herbede. Weil sich Letzterer dann aber ein 7:13 gegen die Bommeraner Reserve leistete (inklusive der einzigen Roten Karte des Turniers gegen Herbedes Daniel Busch wegen Reklamierens), flog der HSV aus dem Turnier. „Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, wenn man so disziplinlos agiert“, ärgerte sich Trainer Marko Weiß.
So bekam es der TuS Bommern II im ersten Halbfinale mit der HSG Annen-Rüdinghausen zu tun - und eigentlich rechneten viele schon mit einem vereinsinternen Finale der Bommeraner. Doch daraus wurde nichts, weil sich der Kreisligist in der 20-minütigen Partie nach einem 7:9-Rückstand famos zurückkämpfte. Als die reguläre Spielzeit abgelaufen war, hieß es 9:9. Einen letzten direkten Freiwurf gab‘s noch für das Team von Roland Rüwald und Fabian Lohrmann.
Wittener TV führt zu Beginn des Halbfinales mit 4:2 - dann macht der Favorit ernst
„Philip, mach‘ du den“, rief Rüwald seinem wurfstärksten Rückraumspieler zu. Was folgte, war das Tor des Turniers: Mit einem gewaltigen Hieb jagte Philip Küthe den Ball oben links in den Winkel zum 10:9, da gab‘s auch für den guten TuS-Keeper Stefan Goldkuhle nix zu halten. Riesen-Jubel unter den Handball-Fans in der Husemannhalle. Ausgelassen feierte Annen-Rüdinghausen den 23-jährigen Torschützen, als hätte das soeben schon zum Stadtmeistertitel gereicht.
Darauf folgte ein 13:7-Erfolg des TuS Bommern gegen den anfangs couragiert dagegen haltenden Wittener TV. Der Verbandsligist führte sogar mit 4:2, nutzte seine Chancen effektiv aus. „Da musste ich dann doch einmal deutlich werden“, so TuS-Trainer Nils Krefter, der die Seinen zu mehr Ernsthaftigkeit aufrief, die Deckung auf ein 5:1 umstellte und dazu mit Torhüter Clemens Uphues und Markus Schmitz zwei Eckpfeiler des Erfolgs der letzten Jahre einwechselte. Spätestens beim 10:5 nach einem Tempogegenstoß von Felix Groß war die Sache erledigt.
Zwei Vizemeisterschaften für Ausrichter HSG Annen-Rüdinghausen
Dem Wittener TV fehlte danach offenbar ein wenig der Antrieb, noch mal 100 Prozent Leistung abzurufen. Anders jedenfalls war die Leistung im „kleinen Finale“ gegen den TuS Bommern (9:11) nicht zu erklären. Dem Endspiel des Stadtwerke-Cups fehlte es dann zwischen den Bommeranern und der HSG Annen-Rüdinghausen merklich an Würze, weil der haushohe Favorit schnell für klare Verhältnisse sorgte, mit 4:1 und 8:3 in Front ging. Letztlich war es ein ungefährdeter 12:4-Erfolg für den alten und neuen Stadtmeister.
Zufriedene Gesichter rundherum gab‘s am Ende bei der gastgebenden HSG. „Wir hatten heute einen wirklich erfolgreichen Tag. Mit dem Zuschauerzuspruch kann man ganz zufrieden sein angesichts dessen, was sonst so in der Stadt los war. Und wir sind mit beiden Teams Vize-Stadtmeister geworden. Das kann sich sehen lassen“, meinte Annen-Rüdinghausens Clubchef Jochen Müller, der sich in absehbarer Zeit einen Bezirksliga-Aufstieg der Handball-Herren wünscht. Dem starken jugendlichen Unterbau will man eine entsprechende Perspektive bieten.
WAZ-Bericht von Oliver Schinkewitz
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