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Demenzsport

Freitag, 09. Oktober 2015

In der Halle und am Herd gegen die Vergesslichkeit

WAZ. Raus aus der Isolation: TuS Bommern bietet zwei Gruppen an, in denen Demenzerkrankte und gesunde Senioren gemeinsam Zeit verbringen.

"Komme ich zu spät - ist das Essen etwa schon vorbei?", fragt Wolfgang Preusche, als er gestern Mittag gut gelaunt von seinem Augenarzt-Besuch in die Selbsthilfe-Kontaktstelle kommt. Kursleiterin Petra Möller kann den 95-Jährigen beruhigen: Alles gut, er kommt gerade pünktlich zum gemütlichen Oktoberfest. "Wir müssen nur noch die Kartoffeln stampfen", sagt sie und drückt den Neuankömmling kurz an sich. "Aber schön, dass du da bist – wir haben gerade über dich gesprochen."

Und das hat sie wirklich: Wolfgang Preusche ist nämlich einer von den Senioren des TuS Bommern, der sich in den Demenz-Gruppen engagiert. Zweimal in der Woche hat der Verein Sport- und Betreuungsangebote auf dem Programm, montags in Bommern, donnerstags eben hier an der Dortmunder Straße. Erkrankte und gesunde Senioren treffen sich hier, um gemeinsam zu turnen und zu kochen. "Ich halte das für ein sehr wichtiges Angebot", erklärt der Senior. Deshalb helfe er auch gerne mit: "Ich kann mich gut in die Menschen einfühlen - und ganz ehrlich: Die Gymnastik tut mir ja auch gut."

Hoher Anspruch, aber schöne Aufgabe

"Diese Verbindung von Sport und Geselligkeit ist es, die wir fördern wollen", erklärt Petra Möller, die vor vier Jahren die Idee an Björn Pinno vom TuS herangetragen hat und ihn damit gleich überzeugte: "Ich fand das Konzept mit der Inklusions-Gruppe sofort gut", erklärt der Vereinsmanager. Demenz-Erkrankte in das Vereinsleben zu integrieren sei zwar „ein hoher Anspruch, aber auch eine schöne Aufgabe". Eine, der sich der TuS stellte – als erster Verein in ganz Nordrhein-Westfalen. Maximal neun Kranke können in Bommern betreut werden, in der zweiten Gruppe, die seit Februar läuft, sind es nur maximal sechs. "In der Kontaktstelle haben wir einfach nicht so die räumlichen Möglichkeiten wie in Bommern."

Irmgard* ist eine von denen, die regelmäßig herkommen. Wie die anderen Teilenehmer will auch die 83-Jährige nicht in der Zeitung erkannt werden. "Aber das dürfen sie gerne schreiben: Es ist sehr gemütlich hier." Ihr Sohn habe sie angemeldet, erst sei sie skeptisch gewesen. "Aber ich hab mich sofort wohl gefühlt." Es werde viel gelacht, erzählt und gesungen. "Jetzt bin ich froh, dass ich nicht mehr so viel alleine bin." Anke Steuer vom Netzwerk Demenz freut sich, als die Seniorin das sagt. "Das ist genau das, was wir wollen: Die Menschen aus ihrer Isolation holen, ein bisschen Normalität wiederherstellen." Denn wenn sich auch vieles ändere durch die Krankheit, dies bleibe gleich: "Man will lachen, reden, Gesellschaft haben."

Entlastung für Angehörige

Doch nicht nur für die Erkrankten, sondern auch für die Angehörigen ist der Kurs eine Entlastung: Sie wissen ihren Partner, ihre Eltern für drei Stunden gut versorgt. "In der Zeit können sie endlich mal abspannen - zum Arzt gehen oder zum Friseur", erklärt Petra Möller. Ein Angebot, dass Leni gerne annimmt: "Ich bin total überlastet - denn die Pflege meines Mannes geht ja nicht nur von morgens bis abends, sondern 24 Stunden nonstop."

Nur wenige Plätze in den Gruppen sind noch frei. Und was ist, wenn sich jetzt ganz viele anmelden wollen? "Dann", sagt Petra Möller und schaut zu Björn Pinno. "Dann machen wir eben noch eine Gruppe auf, oder?" *Namen geändert

Jeweils ein Betreuer für drei Teilnehmer

Zielgruppe des Kurses sind Menschen mit Demenz, die zu Hause von ihrer Angehörigen gepflegt werden.

Die Teilnahme kostet pro Tag (jeweils drei Stunden) 40 Euro (in Bommern) und 30 Euro (an der Dortmunder Straße). Diese Kosten können bei den Pflegekassen eingereicht werden.

Auf drei Teilnehmer kommt jeweils ein Betreuer, der auf die Bedürfnisse individuell eingeht. Beim Montags-Kurs gibt es ein gemeinsames Kaffeetrinken, donnerstags wird zusammen gekocht.

Ansprechpartnerin für beide Gruppen ist Petra Möller, 0172/44 36 434, email: petra.moeller@tus-bommern.de

WAZ-Bericht von Britta Bingmann

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