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Demenzsport

Donnerstag, 09. August 2012

Demenz immer noch ein Tabu

WAZ. Der TuS Bommern entlastet Angehörige von Demenzerkrankten. Jede Woche gibt es ein dreistündiges Betreuungsangebot - mit Sport, Kaffee und Kuchen. Leider nehmen die Menschen im Stadtteil das Angebot noch nicht wahr. Noch sind vier Plätze im Kurs frei.

Langsam senkt sich der bunte Fallschirm zu Boden. Ein sanftes Lächeln zeigt sich auf dem Gesicht einer Dame, die im Stuhlkreis sitzt. Dann hebt sie wieder die Arme, beobachtet die Bewegung des Fallschirms. Jede Woche ist sie dabei, im Multifunktionsraum des TuS Bommern. Trotzdem kann sie sich wohl an so manche Sportübungen nicht erinnern. Daran hindert sie ihre Demenz, das macht aber nichts.

"Wer zu uns kommt, ist nachher viel ausgeglichener. Das sagen zumindest die Angehörigen", meint Übungsleiterin Petra Möller. Seit über zehn Monaten trifft sie sich jeden Montag mit fünf Gruppenteilnehmern und zwei weiteren Übungsleiterinnen zum Betreuungsangebot für Demenzerkrankte. Erst gibt es eine Stunde Sport, dann zwei Stunden Klönen, Demenzarbeit und Kuchen essen. Derzeit sind drei der Anwesenden, die mit im Stuhlkreis sitzen, an Demenz erkrankt - doch niemand aus Bommern ist dabei.

"Wer hier ist, kommt aus der weiteren Umgebung. Schuld daran ist das Tabu, das weiterhin existiert", sagt Petra Möller. "Die Hemmschwelle ist da: Wenn bei einem Ehepaar vielleicht ein Partner an Demenz erkrankt ist, dann ist das ein Thema in den eigenen vier Wänden und bei den Angehörigen. Aber der Nachbar, der soll das nicht mitkriegen. Das ist vielen immer noch peinlich."

Dass es einige Menschen im Stadtteil gibt, für die das dreistündige Angebot eine Entlastung wäre, da ist sie sich sicher. "Es gibt zwar viele Angebote für Demenzerkrankte, die in Betreuung sind", weiß Petra Möller. "Aber wir wollen Angehörige entlasten, die selber pflegen." Sie selbst arbeitete jahrelang in einer Herdecker Demenz-WG als Altenpflegerin.

"Demenz macht einfach einsam. Demenz grenzt aus", sagt die 48-Jährige, die sich deshalb über die steigende Akzeptanz besonders freut. Mittlerweile kämen andere Sportler ganz selbstverständlich beim offenen Treff zum Kaffeetrinken vorbei und plaudern.

"Die Menschen merken eben, dass man mit Demenzerkrankten ganz normal reden kann. Das ist überhaupt kein Problem", sagt Petra Möller. Nur neue Namen könnten sich die dementiell Erkrankten eben nicht mehr merken. "Aber auch das fällt nicht auf. Schließlich sind die alle noch von der 'alten Schule' und verabschieden sich mit Handschütteln, auch ohne Namen", erzählt sie schmunzelnd. Der Gesprächsstoff gehe der Runde nicht aus, wie der Griff zu einem Fotoalbum zeigen soll.

"An dem Tag sollte jeder erzählen, was er im Leben für Hüte getragen hat, und zu welchen Anlässen", erzählt Möller, während sie die vielen Fotos mit wohlbehüteten Menschen präsentiert. "Da kamen die dollsten Geschichten zusammen." Auch den ersten Ausflug, an einen Ort, den jeder kennt, hat die Gruppe schon hinter sicher - Boot fahren auf dem Kemnader See.

WAZ-Bericht von Anne Wohland

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