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Handball

Sonntag, 31. Dezember 2017

Dank Leslies Toren träumt TuS Bommern vom Titel

WAZ. Diese Gelegenheit konnte sie sich nicht entgehen lassen. Als Anfang Dezember die Nationalmannschaft von Kamerun bei der Damenhandball-Weltmeisterschaft in Deutschland zu Gast war, musste auch Leslie-Phalone Tamko Tuebon dabei sein. Und wenn auch nur als Zuschauerin. „Aber eigentlich hätte ich da auch mitspielen können“, sagt die 29-Jährige mit einem breiten Grinsen. Seit September gehört sie zum Kader des TuS Bommern - und sie hat maßgeblichen Anteil daran, dass der in der Landesliga ohne Punktverlust auf Platz eins liegt.

Ob es die Frauen von Kamerun geschafft hätten, die Vorrunde zu überstehen, wenn Leslie mitgemischt hätte? Mit dem einen oder anderen kernigen Wurf hätte die Rückraumspielerin durchaus für Aufsehen gesorgt. „Es war schön, unsere Nationalmannschaft mal zu treffen“, sagt die Afrikanerin, die seit Februar 2017 in Deutschland lebt. „Ich kenne ja den kompletten Kader unserer Auswahl persönlich.“ Dass ihre Landsfrauen vor rund 6000 Zuschauern in der Leipziger Arena mit 15:28 gegen die deutschen Handballerinnen verloren - abgehakt. Dennoch reiste Leslie Tamko Tuebon mit einem guten Gefühl wieder ins Revier zurück. Und mit einem leuchtend grünen Trikot ihres Nationalteams, das sie von ihrem früheren Universitäts-Trainer, jetzt „Co“ bei Kameruns Frauen, geschenkt bekam.

Leslie Tamko Tuebon stammt aus der größten Stadt ihrer Heimat, aus Douala (ca. 2,5 Mio Einwohner). An der dortigen Uni, wo sie Kommunikations-Wissenschaften studierte und den Bachelor-Abschluss schaffte, war die sportbegeisterte junge Frau nicht nur als Handballerin erfolgreich. „In der Leichtathletik war ich auch ganz gut“, sagt die 29-Jährige mit breitem Grinsen. In etwa ein Dutzend Medaillen hat sie bei Sportfesten gesammelt - als Kugelstoßerin oder mit dem Speer hätte sie es wohl auch weit gebracht. „Ich habe Videos von ihr gesehen bei der Leichtathletik. Das war echt beeindruckend“, berichtet Ralf Drewes vom TuS Bommern, der sich nicht nur darum kümmert, dass die Kamerunerin nahezu täglich ihr Deutsch verbessert („ich erwische sie noch sehr oft dabei, wie sie hier mit einigen Französisch oder Englisch spricht“), sondern sie auch schon in die Jugendarbeit des Vereins einbindet. Bei den F- und D-Junioren ist Leslie regelmäßig im Training mit von der Partie.

Nachdem sie 2015 Kamerun verlassen hatte („das war schon nicht einfach, mich von meiner Familie zu trennen“), ging es erst für rund ein Jahr in die belgische Hauptstadt Brüssel, wo sie in der zweiten Division Handball spielte, dann vor zehn Monaten weiter nach Dortmund. „Meine Freundin Christiane lebt dort schon seit 2006, sie hat mir mit vielem sehr geholfen“, sagt Tamko Tuebon, die an der Dortmunder Universität ein Master-Studium absolvieren möchte, um später etwa im Event-Management arbeiten zu können.

Den Kontakt zum TuS Bommern stellten Drewes und Josefine Bernstein, Spielerin des Landesliga-Teams, her. „Leslie hat in der vorigen Saison mit Germania Marterloh gegen unsere zweite Damen-Mannschaft in der Kreisklasse gespielt, da ist sie uns natürlich gleich aufgefallen“, sagt Drewes über die wurfgewaltige Kamerunerin. Schnell war der Name ausfindig gemacht, und über Facebook folgten bald die ersten Nachrichten. „Ich bin dann mal zum Training nach Bommern gefahren, und es hat mir dort gleich gefallen“, sagt die 29-Jährige. In Dortmund habe sie hier und da schon mal Ressentiments wegen ihrer Hautfarbe mitbekommen - „hier ist das nie ein Thema gewesen, man hat mich toll aufgenommen.“

Und rein sportlich hat die Rechtshänderin schnell ihren Wert fürs Team von Trainer Michael Wieczorek unter Beweis gestellt. Mit derzeit 49 Treffern ist Leslie fünfbeste Schützin der Liga, zudem dürfte sie ob ihrer rigorosen Spielweise schon jetzt als Abwehrspielerin gefürchtet sein. „Ich hoffe doch sehr, dass wir in die Verbandsliga aufsteigen“, sagt sie selbstbewusst. „Vielleicht gibt es dort mehr Gegnerinnen, die besser mit Härte umgehen können.“ Von einer der nächsten Partien will Ralf Drewes dem kamerunischen Verband auch ein Video zukommen lassen - vielleicht klappt’s ja dann doch noch mit der späten internationalen Karriere.

WAZ-Bericht von Oliver Schinkewitz