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Demenzsport

Mittwoch, 21. September 2016

Bewegung hilft auch gegen das Vergessen

WAZ. Bis er 75 war, hat sich Karl-Dieter Schmalenbeck vor allem über seine Arbeit definiert. Auch danach hat der Landwirt weiter Laub geharkt und Rasen gemäht. Jetzt reicht es gerade noch zum Fegen, das der 91-Jährige trotz Rollator ab und an erledigt. Damit er den Rest des Tages nicht nur im Sessel verbringt, besucht Schmalenbeck zwei Demenzsportgruppen, die die Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke mit dem TuS Bommern anbietet.

Schon seit drei Jahren verbringt der Senior jeden Montag drei Stunden im Bommeraner Sportzentrum: „Da machen wir große Schritte, kleine Schritte, heben die Arme, gehen in die Knie, werfen Bälle“, beschreibt Schmalenbeck die Aktivitäten, die helfen, in Bewegung zu bleiben. Seit vor etwa fünf Wochen seine Frau gestorben ist, macht er außerdem mit bei „Sportlich über Mittag“. Dann ist er immer donnerstags drei Stunden aus dem Haus, sieht eine andere Umgebung, andere Menschen. „Und wenn einer Geburtstag hat, essen wir lecker Kuchen.“ Vor allem aber weiß ihn seine Tochter Ute gut versorgt. „Wir sind total glücklich, dass es diese Angebote gibt“, sagt die 57-Jährige.

„Es ist wichtig, dass Angehörige auch mal eine Zeitlang durchatmen können und ihr eigenes soziales Umfeld nicht zu sehr vernachlässigen, wenn sie sich intensiv um Vater, Mutter oder den Ehepartner kümmern“, bestätigt Petra Möller (52), die die Alzheimer-Gesellschaft mitbegründete und als examinierte Altenpflegerin beide Gruppen leitet. Dabei haben es Vater und Tochter Schmalenbeck noch gut getroffen. Sie leben kaum 200 Meter entfernt auf ihrem ehemaligen Hof an der Stadtgrenze Witten/Wetter, in dem mittlerweile sechs Wohnungen untergebracht sind. Auch seine zweite Tochter ist wieder dort zu Hause. „Er kommt zum Frühstück und zum Mittagessen zu mir“, sagt Ute Schmalenbeck, die sich ihren Job so einteilen kann, dass es passt. Eine feste Tagesstruktur sei das Wichtigste.

Vor sechs Jahren wurde Karl-Dieter Schmalenbeck schwer krank: Lungenentzündung. Drei Tage lag er im künstlichen Koma. Seitdem besucht er einmal pro Jahr für drei Wochen die geriatrische Tagesklinik im Ev. Krankenhaus. „Das tut ihm gut“, sagt die Tochter. Natürlich habe sie sich oft Gedanken gemacht, ob ihr Vater an Demenz leide, habe Vorträge besucht und darüber gelesen. Schließlich sei er familiär vorbelastet: Seine inzwischen verstorbene Schwester war hochgradig betroffen. Die „Altersvergesslichkeit“, wie Ute Schmalenbeck es nennt, äußere sich bei ihrem Vater in bestimmten Situationen.

„Er hat meine Mutter oft genervt, wenn sie ihm etwas erzählt hat und er sich das nicht merken konnte. Dann wurde er auch selbst ärgerlich.“ Auch Telefonieren müsse nicht mehr sein, weil er hinterher oft nicht mehr wisse, wer angerufen hat. Und die Krimis, die Karl-Dieter Schmalenbeck früher so gern gelesen hat, bleiben nun im Regal, weil er sich deren Inhalt von einem auf den anderen Tag nicht mehr merken kann.

Das tut seiner Lebensqualität jedoch keinen Abbruch: „Man muss sich damit abfinden“, sagt der freundliche alte Herr. Und seine Tochter ergänzt: „Er ist anpassungsfähig und lässt sich gut helfen.“ Demnächst fahren Vater und Tochter gemeinsam in den Urlaub.

Am heutigen Welt-Alzheimertag weist die Alzheimer-Gesellschaft Witten-Wetter-Herdecke noch einmal auf ihre Angebote hin. So berät Petra Möller dienstags von 14 bis 16 Uhr an der Dortmunder Str. 13 zu Fragen rund um die Demenzerkrankung

Sie leitet auch die Demenzsportgruppen des TuS Bommern (Mo, 14 bis 17 Uhr, Bommerfelder Ring 113; Do 10.30 bis 13.30 Uhr, Dortmunder Str. 13). Neu ist das Gedächtnistraining für Paare jeden 2. und 4. Montag von 10.30 bis 12 Uhr.

WAZ-Bericht von Annette Kreikenbohm

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