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Handball

Donnerstag, 10. Januar 2019

„Ich galt als Abwehrspieler der Nation“

WAZ. Den 27. Januar 2019, den haben sich die deutschen Handball-Nationalspieler wahrscheinlich vorab schon mal dick im Kalender markiert. Da geht’s nämlich im dänischen Herning um den WM-Titel - und die DHB-Auswahl von Trainer Christian Prokop würde dort zu gerne mitmischen. Herning? Da war doch mal was, erinnert sich der Wittener Werner Bartels, der es in den 50-er- und 60-er Jahren ebenfalls zum Nationalspieler gebracht hatte. „In Herning hab’ ich mein allererstes Junioren-Länderspiel gemacht. Heute dürfte da allerdings in einer ganz anderen Halle gespielt werden“, flachst der Stockumer.

Ob es allerdings das aktuelle Nationalteam überhaupt so weit schaffen wird bei der WM, die ab dem 10. Januar in Deutschland und Dänemark ausgetragen wird? Daran hat der frühere Ausnahme-Kreisläufer Werner Bartels so seine Zweifel. „Ich hoffe ja, dass sie zumindest die Hauptrunde in Köln erreichen. Vielleicht kann der Heimvorteil da eine Rolle spielen. Aber eigentlich habe ich so meine Zweifel, die letzten Spiele jedenfalls waren überhaupt nicht gut“, so der 79-Jährige. „Wir haben zwar vor allem gute Torleute und auch ganz gute Kreisläufer - aber das Zusammenspiel in der Abwehr gefällt mir nicht. Ich glaube auch nicht an die Entscheidungen von Bundestrainer Prokop. Rechtsaußen Tobias Reichmann nicht mitzunehmen, dafür aber einen international unerfahrenen Mann wie Franz Semper, halte ich für falsch.“ Bartels geht davon aus, dass die deutsche Auswahl „gegen Russland und Frankreich nicht gewinnen wird.“ Dann würde sich das Weiterkommen im Duell mit den starken Serben (17. Januar) entscheiden. Platz sieben oder acht - mehr traut der Wittener den DHB-Assen nicht zu.

Werner Bartels selbst wäre in jungen Jahren beinahe beim Fußball denn beim Handball gelandet. „Borussia Dortmund hätte mich schon gerne gehabt.“ Immerhin gewann er mit der Schulmannschaft einst im Stadion „Rote Erde“ die westfälische Meisterschaft - und beim 5:0-Sieg im Finale wurde Bartels als vierfacher Torschütze gefeiert. „Damals hatte ich aber schon eine Einladung für die Westfalenauswahl im Feldhandball“, erinnert sich der zweifache Vater, dessen eigenes, strenges Familienoberhaupt ihm einst bis zum 13. Lebensjahr Vereinssport verbot.

So startete Werner Bartels, eines von sieben Kindern seiner Familie, erst ab 1952 bei der TG Witten so richtig durch. „Im Spiel um die Schülerkreismeisterschaft stand ich im Tor, wir verloren mit 0:2. Da hab’ ich mir gesagt: Das mache ich nicht mit.“ Fortan spielte er im Feld, führte sein Team zum Vizetitel in Westfalen. Mit der TG Witten ging es bei den Männern bis ‘rauf in die Oberliga, parallel wurde Bartels schon früh zu Partien der Auswahlmannschaften eingeladen. Deutscher Meister wurde er mit Westfalens Junioren 1957, war einer der besten Werfer. Nur ein Jahr später bestritt der Wittener sein erstes Länderspiel, wurde 1963 in der Schweiz mit der deutschen Auswahl Vizeweltmeister - nach einer 7:14-Finalniederlage gegen die DDR. Es folgten noch zwei WM-Teilnahmen - diesmal aber im Hallenhandball (1964/Platz vier; 1967/Platz sechs).

„Ich galt damals als Abwehrspieler der Nation“, so Bartels schmunzelnd, „lauf- und konditionsstark war ich ja schon.“ Reichtümer allerdings waren selbst für einen Ausnahmespieler wie ihn, der gemeinsam mit Handball-Ikonen wie Hansi Schmidt und Herbert Lübking für Deutschland wirbelte, nicht zu ernten. „Für ein Länderspiel haben wir damals gerade mal fünf Mark an Spesen bekommen. Ebenso für einen Drehtag für einen Lehrfilm über Hallenhandball in der Sportschule Barsinghausen“, wie sich Bartels erinnert. Am 11. Februar 1968 absolvierte er in der Dortmunder Westfalenhalle gegen die damalige Sowjetunion (20:19) sein letztes Länderspiel. „Ich hatte eine tolle Zeit durch den Handball, hab’ sehr viel sehen und erleben dürfen“, ist der 79-Jährige dankbar.

Ein Jahr als Spielertrainer beim Bundesligisten RSV Mülheim folgte noch (1968/69), dann endete Bartels’ große aktive Karriere. „Ich hatte bei Lohmann-Stolterfoth eine Führungsposition, das war wichtiger“, so der frühere Schweißfachingenieur. Seine Begeisterung für den Sport hat er an seine beiden Kinder vererbt, fit hält er sich mit Radfahren oder im Fitness-Studio. Die Handball-Weltmeisterschaft wird Werner Bartels daheim am Fernseher verfolgen. Und ein klein wenig Enthusiasmus ist ihm dann doch zu entlocken: „Hoffentlich geht’s positiv aus.“ Für seine DHB-Nachfolger.

WAZ-Bericht von Oliver Schinkewitz

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